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  • Paul Schlütter

Angst vor schweren Gewichten: eine etwas andere Perspektive

Oft bekommt man über Instagram Fragen wie „Wie gehe ich mit Nervosität vor einem großen Lift um?“, oder „Was kann ich tun, wenn ich Angst vor schweren Gewichten habe?“ In den folgenden Zeilen werde ich diese Fragen nicht konkret beantworten, jedoch einen grundlegenden Ansatz, den sie beide teilen, aus einem anderen Blickwinkel beleuchten.


Zuerst brechen wir die Frage auf die dahinter steckende Annahme herunter: Nervosität vor einem schweren Lift, oder Angst vor schweren Gewichten, ist laut den Fragestellenden etwas Negatives (oder hat einen negativen Einfluss auf die Leistung) und muss demnach „beseitigt“ werden.


Im Kontext der Psychologie kann man hier eine recht plausible Parallele zur umgekehrten U-Funktion in Bezug auf Leistung ziehen. Laut dieser Funktion gibt es ein optimales Niveau an Arousal (benutze hier bewusst das englische Wort, da „Erregung“ ( ͡° ͜ʖ ͡°) nicht ganz passt) welches optimale Leistung herbeiführt. Gleichermaßen sind die Levels von Arousal darüber und darunter nicht förderlich für optimale Leistung. Zu wenig Arousal kann dazu führen, dass man die Aufgabe nicht ernst nimmt, zu viel kann dazu führen, dass man sich nicht darauf fokussieren kann. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich mit der Arbeit von Yerkes und Dodson auseinandersetzen.



Eine weiterentwickelte Ansicht teilt Hanin mit seinen Individual Zones of Optimal Functioning (IZOF). Hier werden Emotionen auf zwei Ebenen unterschieden: positiv/negativ und hilfreich/hinderlich. Wut wäre z.B. negativ hilfreich, während Zufriedenheit positiv hinderlich sein könnte.



Die Betonung liegt hier auf individual zones of optimal functioning: jeder Mensch hat eigene Intensitätsbereiche, in denen ihm Emotionen zu Höchstleistung antreiben. Im Rahmen einer sportpsychologischen Beratung können diese ausgearbeitet und entsprechende Rituale und Taktiken erlernt werden, um sie zu provozieren.


Das Fazit sollte hier Folgendes sein: nur weil eine Emotion als negativ wahrgenommen wird, heißt noch lange nicht, dass sie die Leistung negativ beeinflussen muss. Ich würde alle ermutigen, mal ein wenig herumzuexperimentieren – vielleicht versteckt sich hier und da eine IZOF, die man nicht erwartet hätte. Auch etwas Zeit aufbringen, darüber zu reflektieren, welche Rituale und Taktiken man bereits anwendet, um in seine IZOF zu kommen und wie diese verbessert werden könnten, lohnt sich definitiv.


Referenzen:

Yerkes, R. M. & Dodson, J. D. (1908). The Relation of Strength of Stimulus to Rapidity of Habit- Formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology, 18, 459-482.


Hanin, Y.L. (1995). Individual zones of optimal functioning (IZOF) model: An idiographic approach to performance anxiety. In K. Henschen & W. Straub (Eds.), Sport psychology: An analysis of athlete behavior (pp. 103-119). Ithaca, NY: Mouvement.

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